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Aktuell

Latinistentag 2011 in Osnabrück

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Wann: 23. September 2011

Wo: Angelaschule Osnabrück (http://www.angelaschule-osnabrueck.de)

Hauptreferat:
English meets Latin - Perspektiven und Probleme einer fächerübergrifenden Zusammenarbeit
(Prof.Dr. Stefan Kipf, Humboldt-Universität zu Berlin)

 

Pompejikurs am DAI in Rom

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Das Deutsche Archäologische Institut Rom veranstaltet vom 17. bis 22. Oktober 2011 den traditionellen

POMPEJIKURS FÜR GYMNASIALLEHRER

Der seit 1891 alljährlich durchgeführte Fortbildungskurs richtet sich an Lehrer der Fächer Latein, Griechisch, Geschichte und Kunst, die bemüht sind, das Interesse der Schüler an der Kultur der Antike durch weiterführende Begleitung im Unterricht, durch vertiefende Arbeitsgemeinschaften und durch Studienfahrten zu fördern, und die sich dazu an den antiken Stätten fortbilden wollen.

Der sechstägige Intensivkurs wird in Pompeji und weiteren Vesuvstädten von den wissenschaftlichen Mitarbeitern des Instituts durchgeführt. Das Programm des Kurses umfaßt alle Themen der Alltagskultur sowie des politischen, des sozialen und des religiösen Lebens. Unmittelbar an den archäologischen Denkmälern werden gründliche Kenntnisse zur Architektur, zur künstlerischen Produktion und zur städtischen wie sozialen Organisation der römischen Antike vermittelt. Der Diskussion mit den direkt an archäologischer Forschung und Grabung beteiligten Wissenschaftlern wird dabei breiter Raum gegeben, weshalb eine gründliche Vorbereitung und aktive Mitarbeit der Kursteilnehmer als selbstverständlich gilt.

Die Zahl der Teilnehmer ist auf 20 beschränkt. An- und Abreise und die Hotelreservierung in Pompeji sind von den Kursteilnehmern selbst zu organisieren, die anfallenden Kosten selbst zu tragen. Das Institut stellt eine Liste von Unterkunftsmöglichkeiten bereit und gibt Hinweise zur An- und Abreise. Für den Besuch entfernter liegender Stätten ist ein Beitrag zu den Fahrtkosten (circa € 40) zu leisten.

Bewerbungsunterlagen können ab sofort unter der nachstehenden Adresse angefordert bzw. im Internet http://www.dainst.de unter „Aktuell“ „Veranstaltungen“ „Pompejikurs“ abgerufen werden. Einsendeschluß der Bewerbungen für den Kurs 2011 ist der 15. Juni 2011.

DEUTSCHES ARCHÄOLOGISCHES INSTITUT · Rom
ISTITUTO ARCHEOLOGICO GERMANICO
· ROMA

PD Dr. Richard Neudecker
via Curtatone, 4 D
I-00185 Roma
Tel.: 0039 06 48881492
Fax: 0039 06 4888141
Mobiltel.: 0039 348 8144738

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www.dainst.de

 

Der Gräzistentag 2010 in Bildern

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Am 24. September 2010 trafen sich Niedersachsens Griechischlehrer zum NAV-Gräzistentag im Domgymnasium in Verden an der Aller.

Die Fachverbandstagung bot vor allem deshalb Anlaß zu intensiver Diskussion, weil das Fach Griechisch bedingt durch die gegenwärtige bildungspolitische Situation in Niedersachsen vom Verschwinden aus der Schullandschaft bedroht ist.

StD Dietmar Nagel, Kassenwart des NAV und Lehrer am Domgymnasium richtete vor Beginn der Tagung noch einige organisatorische Informationen an die Teilnehmer.

Das Schulorchester des Domgymnasiums sorgte für kurzweilige musikalische Begleitung des Gräzistentages.

In einer eindringlichen Begrüßungsrede schärfte der Vorsitzende des NAV, Burghard Gieseler das Bewußtsein für die bedrohliche Lage, in der sich das Fach Griechisch in der niedersächsischen Schullandschaft befindet.

Für Niedersachsens Griechischlehrerinnen- und Lehrer stand dieses Thema deshalb im Brennpunkt des diesjährigen Gräzistentages.

Burghard Gieseler kritisierte aufs Schärftste die gegenwärtigen bildungspolitischen Entwicklungen, die den Versuch darstellten, den jungen Menschen auf seine reine ökonomische Nützlichkeit im Arbeitsleben zu orientieren, wofür der Umgang mit dem Fach Griechisch symptomatisch sei.

Oberstudiendirektor Alfred Mangold sprach im Namen der Landesschulbehörde und des Kultusministeriums davon, dass die Schulverwaltung die Bedeutung des Faches Griechisch kenne und schätze, immerhin gebe es in Niedersachsen rund 100 Griechischlehrer. Man werde die Kritik im Dialog aufgreifen.

Den Festvortrag hielt der bekannte Theologe und Therapeut Dr. Eugen Drewermann. Unter dem Thema „Vom Nutzen des Unnützen – warum Griechisch?“  sprach Drewermann über die Bedeutung der Bildungsinhalte des Faches Griechisch für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Wer denke, Griechisch sei überflüssig, weil Kenntnisse in antiker Mythologie und klassischer Literatur ökonomisch nicht verwertbar seien, degradiere den Menschen vom Menschsein, das zweckfrei sei und bleiben müsse. Drewermann erinnnerte daran, dass dies im christlichen Mittelalter in Westeuropa unbekannt gewesen war. Es waren die Araber, die griechische Gedanken wieder in Europa bekannt machten. Aber erst in der Renaissance mit ihrer Abkehr vom katholischen Dogma und ihrer Rückkehr zu den Originalen wurde Griechisch wieder populär.

In Drewermanns Vortrag, der die Zuhörer quer durch die europäische Geistesgeschichte führte, wurde auch immer wieder auf den Nuancenreichtum der griechischen Sprache hingewiesen; einfühlsame Übersetzungen und Neuinterpretationen eigentlich bekannter Texte könnten, so der als Kirchenkritiker bekannt gewordene Theologe, viele Mißverständnisse und problematische Auslegungen von historischer Tragweite in ein neues Licht rücken, wie er an einigen Bibelexegesen und griechischen Mythosinterpretationen ausführte.

Im zweiten Teil des Gräzistentages boten zahlreiche Arbeitskreise ein praktisch orientiertes Fortbildungsprogramm: Die Referenten demonstrierten hier in ausgewählten Themen die vielfältigen Möglichkeiten einer modernen Unterrichtsdidaktik im Fach Griechisch.

Hier moderierte Dr. Friedgar Löbker einen Arbeitskreis zum Thema „Die Rede als Mittel zur politischen Mobilisierung bei Isokrates“, in dem die Möglichkeiten zur didaktischen Aufbereitung eines inhaltlich spannungsreichen Textkorpus gemeinsam erarbeitet wurden.

Am Nachmittag konnte im Plenum ein -trotz der angespannten bildungspolitischen Lage- ein positives Fazit einer Fachtagung gezogen werden, die sich neben dem fachlichen Austausch diesmal auch als Ermutigung verstand, auch weiterhin engagiert für das reiche Bildungsangebot der europäischen Kultursprache Griechisch einzutreten.
 

Gräzistentag 2010: Pressemeldung

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Griechisch ist europäisches Kulturgut

Verden.  Im nächsten Jahr werden die ersten Abiturienten, die eine verkürzte Gymnasialzeit bei gleichbleibender Anzahl Unterrichtsstunden durchlaufen haben, ihr Abitur erhalten. Die niedersächsische Schulpolitik der letzten Jahre habe unter Schülern dazu geführt, dass am Gymnasium immer seltener eine dritte Fremdsprache belegt werde, stellte der Landesvorsitzende des Niedersächsischen Altphilologenverbandes, Burghard Gieseler, in seiner Eröffnungsrede des Gräzistentages am Domgymnasium in Verden an der Aller fest.

Insbesondere das Fach Griechisch, in dem Schülerinnen und Schüler mit den Grundlagen europäischen Denkens, vertraut gemacht werden, sei davon erheblich bedroht. Griechisch ist aber ein Schlüsselfach europäischen Denkens und europäischer Kultur, bei dem man in Auseinandersetzung mit den altgriechischen Inhalten ein kritisches Bewußtsein von jungen Menschen entwickele, und das sei in einer zunehmend auf ökonomische Verwertungsinteressen von Bildung blickenden Wirtschaft für eine funktionierende Demokratie unabdingbar.

Wenn nichts geschehe, müsse man sich mit dem Gedanken vertraut machen, dass die 3. Fremdsprache und somit auch das traditionsreiche Fach Griechisch aus den Gymnasien Niedersachsens verschwinden werde. Daher forderte Gieseler das Kultusministerium auf, die vorhandenen Standorte zu sichern, und den asymmetrischen Beginn der Fremdsprachen ( Englisch in Klasse 3, 2. Fremdsprache in 6, 3. Fremdsprache in 7) zu entzerren und den Beginn der dritten Fremdsprache wieder auf die 8. Jahrgansstufe zu legen.

Frau Dr. Sürmann, die Vorsitzende des Niedersächsischen Verbandes der Elternräte, hob aus Elternsicht den Bildungsbeitrag des Faches Griechisch im Fächerkanon des Gymnasiums hervor. Herr OStD Alfred Mangold sprach im Namen der Landesschulbehörde und des Kultusministeriums davon, dass die Schulverwaltung die Bedeutung des Faches Griechisch kenne und schätze, immerhin gebe es in Niedersachsen rund 100 Griechischlehrer.

Den Festvortrag hielt der bekannte Theologe und Therapeut Dr. Eugen Drewermann. Unter dem Thema „Vom Nutzen des Unnützen – warum Griechisch?“  sprach Drewermann über die Bedeutung der Bildungsinhalte des Faches Griechisch für die Entwicklung der Persönlichkeit.

Wer denke, Griechisch sei überflüssig, weil Kenntnisse in antiker Mythologie und klassischer Literatur ökonomisch nicht verwertbar seien, degradiere den Menschen vom Menschsein, das zweckfrei sei und bleiben müsse. Drewermann erinnnerte daran, dass dies im christlichen Mittelalter in Westeuropa unbekannt gewesen war. Es waren die Araber, die griechische Gedanken wieder in Europa bekannt machten. Aber erst in der Renaissance mit ihrer Abkehr vom katholischen Dogma und ihrer Rückkehr zu den Originalen wurde Griechisch wieder populär.

In Drewermanns Vortrag, der die Zuhörer quer durch die europäische Geistesgeschichte führte, wurde auch immer wieder auf den Nuancenreichtum der griechischen Sprache hingewiesen; einfühlsame Übersetzungen und Neuinterpretationen eigentlich bekannter Texte könnten, so der als Kirchenkritiker bekannt gewordene Theologe, viele Mißverständnisse und problematische Auslegungen von historischer Tragweite in ein neues Licht rücken, wie er an einigen Bibelexegesen und griechischen Mythosinterpretationen ausführte.

Im zweiten Teil des Gräzistentages boten zahlreiche Arbeitskreise ein praktisch orientiertes Fortbildungsprogramm: Die Referenten demonstrierten hier in ausgewählten Themen die vielfältigen Möglichkeiten einer modernen Unterrichtsdidaktik im Fach Griechisch.

Der Gräzistentag 2010 in Verden zeichnete insgesamt ein -trotz der schwierigen bildungspolitischen Lage- ein durchweg positives Bild von den inhaltlichen Chancen und Potentialen des Griechisch-Unterrichtes, der vor allem den selbständig denkenden Menschen ins Zentrum der (Aus-)Bildung stellt. Der Niedersächsische Altphilologenverband wird sich auch weiterhin für den Erhalt des Faches Griechisch im schulischen Bildungskanon einsetzen.

 

Gräzistentag 2010: Eröffnungsrede

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Eröffnungsrede des Gräzistentages 2010 – gehalten von Burghard Gieseler
am 24. September 2010 am Domgymnasium in Verden

Gelegentlich werde ich gefragt, warum denn der Niedersächsische Altphilologenverband für ein derart kleines Fach wie Griechisch noch einen eigenen Landestag durchführe.

In der Tat zeigen die ohnehin schon niedrigen Schülerzahlen des Faches Griechisch seit der Einführung des achtjährigen Gymnasiums deutlich nach unten. Die Schulzeitverkürzung wirkt sich eindeutig zu Lasten der dritten Fremdsprache aus – und Griechisch wird eben nur als dritte Fremdsprache angeboten. Wenn nichts geschieht, müssen wir uns an den Gedanken gewöhnen, dass an den Gymnasien in Deutschland nach dem Englischen nur noch eine weitere Fremdsprache erlernt wird. Wenn nichts geschieht, müssen wir uns auch an den Gedanken gewöhnen, dass das Fach Griechisch – von wenigen Ausnahmen in den Großstädten abgesehen – völlig von der Bildfläche verschwinden wird. Wenn nichts geschieht...

Diese Folgen der Schulzeitverkürzung hat man bei deren Einführung wohl nicht überblickt oder – was wahrscheinlicher ist – man  hat sie billigend in Kauf genommen. Die ökonomischen Gründe, die zur Einführung des achtjährigen Gymnasiums geführt haben, wogen schwerer als der Bildungsabbau, den die Verkürzung der Schulzeit, wie wir nun wissen, mit sich gebracht hat.

Natürlich hat man das nicht offen zugegeben. Stattdessen hat man gesagt, dass die Schulzeitverkürzung nicht zu einem Qualitätsverlust führen werde, da der Unterricht ja künftig kompetenzorientiert sei. Eine einmal erworbene Kompetenz könne in ganz unterschiedlichen Lernsituationen angewandt werden. Auf diese Weise, glaubte man, könne das fehlende Schuljahr mehr als ausgeglichen werden.

Hat sich diese Erwartung erfüllt? Die Antwort hängt, meine ich, von dem Bildungsbegriff ab, den man zugrunde legt. Ob nämlich jemand einer Anforderungssituation gewachsen ist, hängt zunächst einmal von der Art der Anforderung ab. Natürlich kann ein kompetenzorientierter Unterricht gut auf eine kompetenzorientierte Prüfungsaufgabe vorbereiten. So gesehen, hätte sich die Erwartung erfüllt. Ja, es wäre sogar noch Raum für die von gewissen Politikern geforderte „Entrümpelung der Lehrpläne“.

Legt man aber einen Bildungsbegriff zugrunde, der sich nicht im Methodischen erschöpft, sondern auf die Entfaltung einer mündigen Persönlichkeit zielt, könnte man mit gutem Grund sagen, dass die Kompetenzorientierung den Qualitätsverlust nicht nur nicht ausgeglichen, sondern ihn noch zusätzlich verstärkt hat. Denn beide – die Schulzeitverkürzung und die Kompetenzorientierung – haben am Ende dieselbe Ursache: den Primat der Ökonomie in unserer Gesellschaft, den Vorrang des Materiellen vor dem Geistigen.

Ein Unterricht, der sich damit begnügt, bestimmte Arbeitstechniken zu vermitteln, zielt auf das Funktionieren in der Arbeitswelt. Die Schule habe, so eine uralte Forderung der Arbeitgeber, junge Menschen zu liefern, die sich einfügen und die problemlos zu gebrauchen sind. Selbständiges Denken und gesellschaftliches Engagement sind nicht gefragt.

An dieser Stelle will ich – nicht ohne Stolz! – darauf hinweisen, dass wir Altphilologen in Niedersachsen in den letzten Jahren das Ziel der Persönlichkeitsbildung stets hochgehalten haben, auch wenn wir damit zeitweise recht alleine dastanden. Die neuen Kerncurricula für die Sekundarstufe II in Latein und Griechisch haben sich – den z.T. abenteuerlichen Vorstellungen im MK zum Trotz – einer inhaltlichen Entleerung des Unterrichts verweigert und die Kompetenzen an fachspezifischen Inhalten ausgewiesen. Unmissverständlich wird in ihnen deutlich gemacht, dass die oberste Dimension, an der sich der gesamte Unterricht auszurichten hat, die Persönlichkeitsbildung ist.

Dies zeigt, dass es auch heute noch möglich ist, - mit etwas weniger vorauseilendem Gehorsam und etwas mehr Zivilcourage - Positionen, von denen man überzeugt ist, durchzusetzen. Und wir sind davon überzeugt, dass der demokratische Rechtsstaat nichts so sehr braucht wie geistig unabhängige und verantwortungsbewusste Staatsbürger! Sie sind die Voraussetzung dafür, dass die Demokratie überhaupt existieren kann. Die Demokratie braucht den freien Diskurs wie die Luft zum Atmen. Denn der Souverän übt seine Macht dadurch aus, dass er aus der Vielzahl der Politikentwürfe und Ideen innerlich unabhängig und verantwortungsbewusst auswählt.

So weit die Theorie. Die Praxis hingegen hat sich, wie mir scheint, von dieser Theorie weit entfernt. Kann man denn wirklich noch sagen, dass der Souverän dadurch seine Macht ausübt, dass er aus der Vielzahl der Politikentwürfe und Ideen auswählt? Um aber wählen zu können, braucht das Volk Auswahlmöglichkeiten. Und die sind immer schwerer zu erkennen. Die programmatischen Aussagen der politischen Parteien haben sich – und das kann man eigentlich nicht bestreiten – in den letzten beiden Jahrzehnten immer mehr angeglichen und auf eine Linie verengt. Wer von dieser Linie abweicht, wird öffentlich entehrt und beruflich zerstört. Es gibt eine lange Liste solcher Fälle, die bei Philipp Jenninger anfängt und bis in die Gegenwart hineinreicht. Es hat sich ein Klima miefiger arroganter Intoleranz in unserem Lande breitgemacht.

Es wird Zeit, dass wir die Fenster aufreißen und uns auf die Freiheit und die demokratischen Grundtugenden besinnen. Die wichtigste dieser Tugenden ist aus meiner Sicht die Toleranz, die Achtung vor der Meinung des Andersdenkenden – nach dem Grundsatz: Ich bin zwar nicht Deiner Meinung, ich werde aber bis zuletzt dafür kämpfen, dass Du Deine Meinung frei äußern kannst. Auf dieser Grundlage ist der demokratische Streit um den besten Weg erst möglich. Allerdings setzt die Achtung vor der Meinung des Andersdenkenden eine innerlich freie, eine unabhängige Persönlichkeit voraus. Denn wer innerlich unfrei ist, sich in einem ideologischen Korsett selbst gefesselt hat, der akzeptiert auch nicht die Freiheit des Andersdenkenden. Er braucht Ja-Sager und Mitläufer. Nur wer innerlich frei und unabhängig ist, akzeptiert die Freiheit des Anderen – nein, er akzeptiert sie nicht nur, er fordert sie sogar ein. Denn der freie Diskurs ist selbstverständlich nur unter freien Menschen möglich. Den demokratischen Diskurs kann nur die unabhängige und verantwortungsbewusste Persönlichkeit führen. Auf deren Entfaltung muss deshalb der Erziehungsauftrag der Schule in der Demokratie zielen.

Das Fach Griechisch leistet einen spezifischen und unverwechselbaren Beitrag zur Entfaltung einer innerlich freien Persönlichkeit. Mit „frei“ ist hier natürlich nicht „entwurzelt“ gemeint. Denn die mündige Persönlichkeit bedarf durchaus – auch wenn es sich vielleicht etwas paradox anhören mag – der Anbindung, der Verwurzelung – , durch die sie überhaupt erst mündig und frei wird. So ist es für die Persönlichkeitsentwicklung beispielsweise notwendig, das geistige Fundament zu kennen, auf dem sich das heutige Europa entwickelt hat. Der Griechischunterricht vermittelt einen Einblick in die kulturellen Grundlagen Europas und bietet auf diese Weise jungen Menschen die Möglichkeit, sich ihrer europäischen Identität bewusst zu werden.

Das Fach Griechisch hält für die Schüler ein schier unerschöpfliches Anregungspotential bereit. In der Begegnung und Auseinandersetzung mit dem ungezügelten Geist der Griechen lernt der junge Mensch, Schranken zu durchbrechen und hinter ihnen die Fragen des Menschseins zu entdecken, die zwar stets nach einer Antwort verlangen, auf die es aber nie eine Antwort geben wird.

Zum Anregungspotential des Griechischen gehört auch die Begegnung mit historischen und literarischen Persönlichkeiten, die ihrerseits innerlich frei und unabhängig sind.

Antigone beispielsweise hält der staatlichen Hybris Kreons die aägrapta kaösfalhq jevqn noßmima – die ungeschriebenen und unumstößlichen Gesetze der Götter – entgegen. Damit bekennt sie sich dazu, dass auch das staatliche Recht an eine Grenze stößt, dass es einem allgemeinen Menschenrecht nachgeordnet ist. Für dieses Bekenntnis ist sie – im vollen Vertrauen auf das sittlich Gute der göttlichen Gesetze – bereit, auch die letzte Konsequenz auf sich zu nehmen.

Ebenso Sokrates – um ein zweites Beispiel zu nennen. Auch in ihm begegnen die Schüler einer innerlich freien und unabhängigen Persönlichkeit, die eher bereit ist, die Todesstrafe zu erleiden als sich von seinem Streben nach Erkenntnis abbringen zu lassen. Platon hat in der ‚Apologie des Sokrates’ ein großartiges Beispiel dafür gegeben, mit welcher Haltung eine Persönlichkeit wie Sokrates ihren Weg gegangen ist.

Meine Damen und Herren, diese beiden Beispiele machen bereits hinlänglich deutlich, dass in einer Demokratie, in der unabhängige Persönlichkeiten rar geworden sind, der Bildungsbeitrag des Faches Griechisch unentbehrlich ist. Es ist, denke ich, durchaus nicht übertrieben, die Wertschätzung des Griechischen als einen ganz feinen Gradmesser für die Demokratiefähigkeit einer Gesellschaft anzusehen.

Wir appellieren deshalb an die Landesregierung, das Gespräch mit dem Niedersächsischen Altphilologenverband zu suchen und alles in ihrer Macht Stehende zu tun, damit das Fach Griechisch im Bildungsangebot unseres Bundeslandes dauerhaft verbleibt.

Um dies zu gewährleisten, fordern wir:

  1. Die Sprachenfolge muss entzerrt werden. Die derzeitig bestehende – asymmetrische – Sprachenfolge 3/6/7 wirkt sich eindeutig zu Lasten der dritten Fremdsprache aus. Um den sinnvollen Zweijahresabstand in der Sprachenfolge herbeizuführen, müsste entweder der Beginn der dritten Fremdsprache auf den Schuljahrgang 8 zurückverlagert oder die zweite Fremdsprache müsste generell auf den Schuljahrgang 5 vorverlegt werden. Dies würde allerdings die curriculare Verzahnung der ersten und zweiten Fremdsprache zwingend erfordern.
  2. In jeder größeren Stadt Niedersachsens ist ein explizit altsprachliches Bildungsangebot, zu dem selbstverständlich auch Griechisch gehört, vorzuhalten. Wir haben deshalb – das will ich in diesem Zusammenhang nicht unerwähnt lassen – kein Verständnis dafür, dass in der viertgrößten Stadt Niedersachsens, in Oldenburg, das Fach Griechisch nicht angeboten wird.
  3. Die Fächer Latein und Griechisch müssen in der Landesschulbehörde und im Kultusministerium ähnlich vertreten sein wie andere Fächer vergleichbarer Größe.

Sehr verehrte Anwesende, ich habe in meiner Rede versucht deutlich zu machen, dass eine Demokratie, die in der Bildungspolitik das Ziel der Persönlichkeitsbildung preisgibt, sich im Grunde selbst abschafft. Deshalb halten wir den auf die Persönlichkeitsbildung gerichteten Bildungsbeitrag des Faches Griechisch für unentbehrlich. Denn darin sehen wir den Nutzen unseres Faches.

Ich freue ich mich deshalb, dass Sie, sehr geehrter Herr Dr. Drewermann, heute zu uns über den

„Nutzen des Unnützen – oder: Warum Griechisch?“

sprechen werden. Ich kann mir in dieser Situation wirklich kein passenderes Thema vorstellen.

Uns allen wünsche ich einen anregenden Gräzistentag 2010!

 
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